604-4/16 Arboretum und Teehaus Laßnitzhöhe

Festigung oder nachhaltige Weiterentwicklung der natürlichen Ressourcen und des kulturellen Erbes

Laufzeit: 01.01.2016-31.12.2018

info@lassnitzhoehe.at

Arboretum und Teehaus Laßnitzhöhe

604-4/16 Arboretum und Teehaus LaßnitzhöheHSL-604-2015-02

Es geschieht nicht selten, dass regional bedeutende Einrichtungen geschaffen werden und über die Zeit in Vergessenheit geraten. Glücklicherweise gab es im konkreten Fall Menschen, die sich darum kümmerten, ein ganz besonderes Angebot der Marktgemeinde Laßnitzhöhe, das Arboretum, nicht ihrem Schicksal zu überlassen.

 Attraktiviert um ein Teehaus wird im gegenständlichen Projekt das alte Arboretum wieder gepflegt und aufgeforstet. Das sogenannte Teehaus ist dabei aber keine Lokalität, in welcher Speis und Trank angeboten wird, sondern ein Platz um zu sich zu finden, um zu entspannen und sportlich zu trainieren. Es ergänzt das interessante, botanische Angebot also nur. Im Arboretum, das frei und kostenlos zugänglich ist, kann eine Unzahl an seltenen Bäumen und Pflanzen bestaunt und erkundet werden. Zudem entstehen Anbindungen an bestehende Projekte und Wege, die für jedermann etwas bieten. Laßnitzhöhe - als Ort der Wege - ist somit für alle einen Ausflug wert.

604-4/16 Arboretum und Teehaus Laßnitzhöhe

Ein zentraler Inhalt des Regionsprogrammes ist es, Angebote der Region zu erhalten und auszubauen. In der Marktgemeinde Laßnitzhöhe existiert bereits seit langen Jahren eine interessante Anlage, die die Biodiversität anschaulich zu vermitteln in der Lage wäre, die jedoch im Dornröschenschlaf liegt und langsam überhaupt nicht mehr als solche zu erkennen ist. Geplant ist, dass der Tourismusverband Laßnitzhöhe den alten Baumbestand wieder freilegt und mit neuen Pflanzen zu einem richtigen Arboretum ergänzt. Damit würde in der Region eine Destination geschaffen, die es in Europa nur sehr selten gibt (rund ein Dutzend Anlagen auf dem gesamten Kontinent). Um die Potenziale dieses Angebotes voll auszuschöpfen und zugleich den synergetischen Nutzen mir anderen Projekten optimal zu nutzen, ist zudem die Anlage eines Teehauses geplant. Damit kann etwa der Gesundheitsansatz optimal abgedeckt werden. Für die Pflege- und Instandhaltungsarbeiten der Anlage wird eine lokale Behinderteneinrichtung aus Nestelbach bei Graz eingebunden. Alles in allem in sehr sinnvolles Projekt mit sozial nachhaltigem Primärfokus.

Ausgangssituation und Problemstellung

In den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden auf Initiative von GemeindebürgerInnen in einem Landschaftsteil solitäre und vielfältige Sorten von Sträuchern und Bäumen gepflanzt mit der Intention, einen  Lehrpfad für unterschiedliche NutzerInnen-Gruppen entstehen zu lassen. Dies vor allem im Sinne der Kurgäste, die damals, so auch heute, Erholung, Revitalisierung und Entspannung auch in der den Ort umgebenden Landschaft suchen.
Da für die Pflege des Baum- und Strauchbestandes, bestehend aus vorwiegend Garten und Parkpflanzensorten, über die Jahre hinweg nicht kontinuierlich dieselben Personen verantwortlich waren, die Kompetenzen von Marktgemeinde und Tourismusverband gewechselt haben und das Grundstück ins Eigentum von Herrn Prim. Dr. Nebel der Privatklinik Laßnitzhöhe gewechselt war, entwickelte sich über die Jahre ein außergewöhnliches Stück Landschaft, dessen Pflanzenbestand sich ähnlich einem geschützten Naturparkareal vorwiegend durch die Einflüsse Witterung, Bodenqualitäten und Wachstumsbedingungen innerhalb von Pflanzengemeinschaften entwickeln konnte.
Dort, wo Bäume und Sträucher genügend Platz hatten, konnten Solitärformen von Garten- und Parkpflanzen entstehen, die selten zu sehen sind. Dort, wo sich Pflanzengemeinschaften zwischen Totholz und Wildwuchs etabliert haben, sind Kleinareale von besonderem Reiz gewachsen. Bei einer zufälligen Benutzung des Lehrpfad-Weges im Frühjahr 2014 durch die beiden Leiter der alpha nova Werkstätten in Nestelbach und Hausmannstätten für Menschen mit Behinderungen wurde der Leiter der Werkstätte Nestelbach, Herr Dietmar Löffler, auf den besonderen Pflanzenbestand und den außergewöhnlichen Reiz des Areals aufmerksam. In einem Gespräch mit der Amtsleitung und dem Bürgermeister der Marktgemeinde wurde deutlich, dass der besondere Wert dieses Landschaftsteils auch anderen EntscheidungsträgerInnen bewusst war und es nun professioneller und organisierter Schritte bedarf. Das vor allem deshalb, weil es neben allem Reiz des Areals auch zu solchem Wildwuchs und zu Überwucherungen gekommen war, dass bereits etliche, wertvolle Pflanzen abgestorben, im Vertrocknen begriffen oder in deren Wuchsform schwer beeinträchtigt waren.

 

Ziele und Zielgruppen

Mit dem Projekt soll die jahrzehntelang gewachsene Landschaftsqualität des ehemaligen „Lehrpfades“ zu einem unverwechselbaren „Arboretum Laßnitzhöhe“ mit botanischer Konzeption, Zielen eines Lehr- und Schauareals und Möglichkeiten für Rekreation weiterentwickelt werden. Das Arboretum Laßnitzhöhe soll ein besonderes Angebot im Rahmen der bereits bestehenden Kurort-Angebote von Möglichkeiten von Spazierwegen bis Rad- und Laufstrecken sein. Das Arboretum soll das Angebot der „stillen Erholung“ in der Natur für vielfältige Nutzung sein. Dies für Kurgäste von Rehabilitation bis Erholungsurlaub, für PflanzenliebhaberInnen, für botanisch interessierte BesucherInnen, für BewohnerInnen der Region, die kurz eintauchen möchten in „Naherholung“, für mittelfristig konzipierte Workshop- und LehrveranstaltungsteilnehmerInnen und all jene, die sich ein Bild von mehr als 150 Baum- und Straucharten im natürlichen Wachstumsumfeld für die eigene Gartengestaltung machen möchten. Eigens dafür gestaltete Sitzgelegenheiten an ausgesuchten Plätzen sollen die „stille Erholung“ durch Genießen der besonderen Landschaft im Wandel der Jahreszeiten ebenso ermöglichen, wie ein überdachter Platz, der dies unabhängig von Witterung erlaubt und zusätzlich Raum gibt für alle Formen der „stillen Erholung“ wie zum Beispiel Gymnastik, Yoga, Autogenes Training, Taiji, Atemtherapie, Quigong, Kontemplation und mehr.
Das Lernen über und Kennenlernen von Pflanzen, deren Eigenschaften und deren Bedeutung im Zusammenhang mit der Menschheitsentwicklung sind im Arboretum Laßnitzhöhe ebenso Teil der „stillen Erholung“ und Ziel, wie die Verarbeitung von Früchten und Samen, die Nutzung der Hölzer oder eine ökologische Kompostwirtschaft, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Beschreibung der geplanten Aktivitäten

In Kooperation mit einem Fachunternehmen und den alpha nova Werkstätten für Menschen mit Behinderungen werden am Areal „Arboretum Laßnitzhöhe“, gegliedert in vier Themenbereiche „Koniferenwald“, „Wildobstgarten“, „Zeitenbäume“ und „Teegarten“ und abgeschlossen nach den jahreszeitlich bedingten Pflanzzeiten im Frühjahr 2017, Pflanzungen botanisch wertiger Sorten zusätzlich zum bestehenden Baum- und Pfanzenbestand vorgenommen. Weiters werden in gestaffelten Bauabschnitten die Anlage der vier geplanten Sitzplätze, die Fundamente des Informationssystems, die Sicherung der Treppensituationen und die Aufstellung des Pavillons für den überdachten Bereich nebst einer Geländeplanierung für eine ebene Rasenfläche als Gymnastikbereich realisiert. Gleichzeitig zu den Ergänzungen und Qualifizierungen des Pflanzenbestandes nach botanischen und edukativen Zielsetzungen wird die Organisation der Pflege- und Wartungsarbeiten des Gesamtareals Arboretum Laßnitzhöhe umgesetzt und durchgeführt. Pflegeschnitt des bestehenden Baum- und Strauchbestandes zu den entsprechenden Schnittzeiten über das ganze Jahr ebenso wie das Pflegen der weitläufigen Wiesenteile und das Verbringen und Kompostieren der anfallenden Biomasse, die erhaltenden Maßnahmen die Neupflanzungen betreffend, von Wildverbisschutz über Freimähen von Gras bis zur Kontrolle der Bepflockung zur Stütze und der Befreiung von etwaigen Schneelasten im Winter, die zu Schaden und Bruch führen können, bis zur Pflege und Säuberung des Weges und des überdachten Bereichs.
Zeitgleich mit den Arbeiten am Areal des „Arboretums Laßnitzhöhe“ wird das Informationssystem realisiert. Informationstafeln am Areal und die entsprechend erweiterten Informationsmöglichkeiten zu den einzelnen Pflanzen online. Dazu wird eine Arboretum- Website geschaffen und mit der Website der Marktgemeinde vernetzt. Die BesucherInnen des „Arboretums Laßnitzhöhe“ werden auch per QR-Code von den Informationstafeln aus diese Arboretum-Website erreichen können. Zusätzlich wird mit den Informationstafeln des Areals und der Arboretum Website ein Geocache geschaffen. Dazu werden auch die Strukturen für Aktualisierung und Wartung der Onlinemedien geschaffen. Die offizielle Eröffnung des Projektes Arboretums Laßnitzhöhe ist für Frühjahr 2017 geplant.
Trotz der unspezifischen Verwendung des Begriffes „Innovation“ für das Entwickeln neuer Ideen und deren wirtschaftliche Nutzung, entsprechen „Neuerung“ und „Erneuerung“ der Wortbedeutung. Genau dies trifft auf das Projekt „Arboretum Laßnitzhöhe“ zu: „Erneuerung“ des Bestehenden durch Erkenntnis des Wertes für die Region und „Neuerung“ durch bewusstes Hinzufügen von neuen Pflanzen und Strukturen, den Einsatz von neuer Informations- und Kommunikationstechnologie, das Erschließen erweiterter NutzerInnengruppen durch neue Nutzungsangebote und eine im Zusammenhang mit den Arboreten Europas einmalige Instandhaltungs- und Betriebsstruktur durch die Kooperation von Fachunternehmen und einer Einrichtungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Durch die nach Fertigstellung geplante zusätzliche Einbindung lokaler und regionaler Interessensgruppen im Zusammenhang mit den Angeboten rund um das Areal des Arboretums werden neue Synergien zwischen Gemeinde- und Tourismusstrukturen, LeistungsanbieterInnen im Profit- und Non-Profit-Bereich und engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Marktgemeinde und der Region geschaffen. Synergien, die, zusätzlich zum Wert der Landschaftsqualität und deren Lehrpotential für die zukünftigen Generationen und zusätzlich zum direkten Nutzungswert durch entsprechende Angebote, einen sozialen Mehrwert schaffen. Das durch unzählige, neue Kommunikationsanlässe unterschiedlichster Persönlichkeiten und Gruppen, lokal, regional und im Zusammenhang mit der Nutzung sozialer Netzwerke auch überregional. Der Innovationsgehalt des Projektes „Arboretum Laßnitzhöhe“ zeigt sich bei einer vergleichenden Analyse der bestehenden und in den Medien bekannten Arboreten Europas: Privatsammlung, Botanischer Garten oder Garten- bzw. Parkanlage von Gütern, Herrenhäusern oder Schlössern, deren Nutzungsdefinitionen über „Schau,- Lehr- und/oder botanisches Forschungsareal“ nicht hinausgehen.
All das und das „stille Areal“ zur inneren und äußeren Rekreation machen das Arboretum Laßnitzhöhe schon in seiner Projektkonzeption unverwechselbar.
Das Projekt Arboretum Laßnitzhöhe ist sowohl ein integratives als auch ein inklusives Projekt. Integrativ deshalb, weil es sowohl Persönlichkeiten der Marktgemeinde und der Region einbindet, die einen langjährigen Bezug zu diesem Landschaftsteil haben und teilweise bei der Entstehung des ersten Lehrpfadbepflanzung eine Rolle innehatten, als auch nach Fertigstellung eine Plattform nebst Medium geplant ist, die ein Mitwirken am Geschehen und Miterleben der Entscheidungen rund um dieses Naturareal für alle BürgerInnen und Bürger und die BewohnerInnen der Region ermöglicht.
Inklusiv ist das Projekt deshalb, weil ein Kooperationspartner im laufenden Betrieb die alpha nova Betriebsgesellschaft mbH mit der Behindertenwerkstätte Nestelbach und assoziierten Behindertenwerkstätten bei Bedarf ist. Alle Pflege- und Wartungsarbeiten des Pflanzenbestandes, der Wiesenteile und der Infrastruktur werden von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen mit Unterstützung durch deren BetreuerInnen und begleitet von Fachwissen übernommen. Sinnstiftung im Alltag, Lernen und Üben von unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, ein Arbeiten in und mit der Natur durch alle Jahreszeiten, die Kommunikation im öffentlichen Raum und die Wertschöpfung für die Gemeinschaft machen im Projekt „Arboretum Laßnitzhöhe“ und später im Betrieb nicht nur Inklusion erlebbar, sondern Sozialökonomie zu einem ernsthaften Projektpartner.
Die Betreiber des Projektes „Arboretum Laßnitzhöhe“ haben durch die Entscheidung für den Erhalt und die Weiterentwicklung eines besonderen Landschaftsteils schon die Entscheidung zu Nachhaltigkeit getroffen. Genau in diesem Wissen, wie es die Persönlichkeiten beim Pflanzen der ersten Lehrpfadpflanzen hatten, dass diese Pflanzen uns nach Jahrzehnten mit ihrer Wuchsform erfreuen würden, gibt es das Wissen darum, dass die Neupflanzungen, die Angebotsentwicklungen und die Strukturen zu Erhalt und Pflege für die Zukunft angelegt sind. Die Enkelkinder werden wie wir heute Sträucher und Bäume, eine Wildobstwiese und einen Koniferenwald erleben können, der einige der heute schon alten Bäume nicht mehr haben wird, dafür aber deren NachfolgerInnen und all jene Landschaftsgestaltung, die das Projekt vorsieht. Solange das Wachsen und Gedeihen des Arboretums Laßnitzhöhe gesichert ist, wird es auch die Strukturen dafür, die Kommunikationsmedien und die Kontinuität der Verantwortlichkeiten geben. Nicht zuletzt wird es die Vielzahl an NutzerInnen geben, die mit dem „Arboretum Laßnitzhöhe“ Erlebnisse, Ereignisse und verbrachte Lebenszeit verbinden werden und somit eine „unspektakuläre, gelebte Nachhaltigkeit eines stillen Areals“ gewährleisten.

 

Räumliche Ausdehnung

Der primäre Fokus des Projektes liegt im Kernraum der Marktgemeinde Laßnitzhöhe. Da das Projekt aber sowohl touristisch wie auch in Bezug auf die Naherholungsmöglichkeiten der BewohnerInnen der Gemeinde sowie jener der Anrainergemeinden einen direkten Einfluss ausübt, ist der räumliche Wirkungsbereich für die gesamte Region als relevant zu erachten. Hinzu kommt der direkte Einfluss der Einbindung der sozialen und gesundheitsbezogenen Einrichtungen der Region in Pflege und Nutzung des Areals, womit zahlreiche weitere Gemeinden unmittelbar eingebunden sind.